Unpersoenliches Selbstbildnis

Der Blog soll als Stütze dienen, vom Selbstporträt zu Entsprechungen im Bereich kollaborativer Kunst zu gelangen. Kollaboration wird hier also im Zusammenhang zum eigenen Werk entwickelt. Sinngemäß wähle ich meine letzte größere Arbeit mit dem Titel Schrebers Sunrise als Ausgangspunkt.

Prozess

Schrebers Sunrise

Schrebers_Sunrise

Die Installation besteht aus drei Einheiten. Einem kleinen Tafelbild, Maske. Einer kompakten Bodenarbeit, Platte. Einer zerlegten Arbeit, die am Boden und an der Wand präsentiert wird, Stelen.

Die Ausgangsmaterialien für alle Werke sind Offsetdrucke und Leim. Für die Stelen kam zusätzlich Konstruktionsholz zum Einsatz. Die Offsetrucke zeigen jeweils mein Abbild in der Dreiviertelansicht. Als Basis wurde für jede Arbeit jeweils ein massiver Papierblock aus verklebten Drucken erstellt. Die jeweiligen Papierblöcke wurden geschliffen, zersägt oder mit der CNC-Fräse bearbeitet.

Form und Inhalt

Maske

Maske

Maske Seitenansicht

Die Maske entspricht dem klassischen Tafelbild. Sie ist am wenigsten handwerklich gefertigt. Die verblockten Offsetdrucke treten mit meiner lebensgroß ausgefrästen Visage in eine interessante Konstellation. Die Vertiefung des Reliefs zeigt sich aus einer kurzen Distanz oder in der fotografischen Reproduktion, sofern von der Seite fotografiert wird. Man kann dieser Arbeit eine Raumwirkung zusprechen.

Platte

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Die Bodenarbeit Platte ist am einfachsten strukturiert. In der Produktion ist jedoch ein vorläufiger physikalischer Endpunkt erreicht. Zum einen ist sie mit circa 100 Kg Gewicht kaum noch mit meiner eigenen Körperkraft handhabbar. Zum anderen sind die zugrunde liegenden Plakate bereits im größten DIN-Format A0 gedruckt. Durch die Bodenlage, die sich u.a. aus dem Gewicht ergibt, wird der Umraum einbezogen. Das Bildmotiv wird perspektivisch verkürzt. Beides unterwandert die einnehmende Wirkung der Visage.

Stelen

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Stelen

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Die Stelen sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe ist an die Wand gelehnt und die andere flach auf dem Boden platziert. Die Zerlegung stört die Wahrnehmung der Visage. Letztere kann sich trotz ihrer Größe nicht sammeln und geschlossen auf den Betrachter einwirken.

Installation

Die Einzelwerke sind in ein raumgreifendes Gefüge aus mehreren Elementen übergegangen. Die Form ist sowohl aus massiven Teilen als auch aus Rändern, Kanten und Zwischenräumen aufgebaut. Das Verhältnis zwischen innen und außen fällt zusammen. Die Betrachtung aus unterschiedlichen Positionen wird aneinander angegeglichen. Visage und Person, Einzelwerk und großes repräsentatives Selbstporträt sind als Konstruktion greifbar. Das Bildnis kann man als fallend und aufsteigend, ebenso als ein- und ausschließend lesen.

Goekhan Erdogan

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