Versuch eines allgemeinen Selbstportraets

Es folgt ein Exposé für eine Zusammenarbeit von vier Personen. Der Titel der Installation könnte Opus X lauten oder sich aus den Namen der Beteiligten ableiten Sandra, André, Michel, Ich.

Konzept

Visage

Die Installation wird die klassische Auffassung vermeiden, die eigene Visage als abbildlichen Bezugspunkt für das Selbstporträt zu wählen. Die Visage ist insbesondere in den neueren Medien wie Fotografie, Performance, Video und Film ein Thema. Bruce Naumans abbildliches Selbstporträt findet in seinem Werkverlauf anthropromophe Entsprechungen, wie Stühle und Tische. Dies deckt sich auch mit der Filmtheorie von Gilles Deleuze, der im Grunde jede Filmaufnahme einer glatten Fläche mit Mikrobewegungen als gesichthaft behandelt sieht.

Autorenschaft

Die allgemeine Auffassung der Autorenschaft und die Bedeutung des Einzelwerks werden hier ebenfalls verhandelt. 3 bzw. 4 Autoren werden an je einem Werk arbeiten, das sie selbst aus ihrem Werkverlauf heraus begreifen und einer gemeinsamen Installation beisteuern. Die Elemente werden über kompositorische Entscheidungen in einen Zusammenhang gestellt. Dieser Versuch eines allgemeinen Selbstporträts ist dennoch als ein Einzelwerk lesbar, da ein Filmemacher, Theaterregisseur oder Literat ein persönliches Erlebnis oder einen Disput in mehrere Rollen aufteilen kann. Er redet zu sich und zum Publikum durch unterschiedliche Stimmen. Zudem ist spannend, dass diese Auflösung der Autorenschaft und damit des eigenen Werks unklar lässt, ob es sich um eine Gruppenausstellung oder eine Einzelausstellung handelt.

Raumbezug

Es ist erwähnenswert, dass die Installation auch einen interessanten Raumbezug aufweisen wird. Im Porträt selbst ist traditionell ein innen-aussen Verhältnis enthalten, das sich in den Begriffen Hier-sein und Da-sein wiederfindet. Über räumliche Verhältnisse einer Ausstellung hinaus sind hier auch institutionelle und soziokulturelle Räume thematisiert, wie das Gegenüberstellen von Kunst / Nicht-Kunst oder Bildsubtext / Werbetext.

Form und Inhalt

Sandra

Ein kurzer Text aus max. 500 Zeichen, soll so tun als würde er die Funktion eines Handouttexts abdecken. Formal soll er aber wie ein Antiplakat angelegt sein. Es sollen Bezüge zum Subtext der Ausstellung vorhanden sein, die sich aber durch die schriftliche Form nicht mehr leicht greifen lassen. In Anlehnung an Godards Weekend (Stauszene) soll die Beschreibung einen langen signifikanten, opaquen, sperrigen Satz bilden. Dieser Text wird als Poster entweder im Außenraum oder im Nebenraum der Ausstellung als großformatiges Plakat an die Wand appliziert, als handle es sich um ein monumentales Bildnis. Das Plakat soll wie ein Editortext sehr default daherkommen.

André

André zeichnete ein Ornament auf eine Blumenvase mit einem Eddingmarker. Dieses Werk und seine Anfrage haben die Gedanken zu dieser Ausstellung ausgelöst. Sein zeichnerischer Gestus folgt dem eines Taggers oder Writers, aber die Formen bleiben teilweise abstrakt bis dekorativ. Die klischeehafte Haltung eines harten Sprühers ist mit seinem Beitrag auf einen Schlag dekonstruiert. Er outet sich als ‘Pflanzenfreund‘. Als ein Künstler der Straße gestaltet er Inventar im häuslichen Umfeld.

Michel

Im Gespräch über diese Ausstellung sagte er, wir hätten unsere Revolution in das kleinbürgerliche Leben rüber gerettet. Er äußert seine kritischen Gedanken in Kollagen, Assemblagen und Malereien, die er wie André in Form von Reproduktionen auf Textilien veräußert. Sein Beitrag für die Installation folgt bewusst diesem ironischen Modus, ein kleines verdichtetes Stück Revolution auf einem T-Shirt zu zeigen. Letzteres wird allerdings zu einem großen weißen Untergrund, einer freistehenden Trennwand, wie sie auf Messen oder eben in Ausstellungen zu sehen ist.

Ich

Mein Beitrag ist ein abstraktes Gesicht, ein weiß grundierter Kaffeesack, der einen schwarzen spiegelnden Fleck aufweist. Das eigene Gesicht ist hier durch einen Spiegel nur im übertragenen Sinn restwirksam. Er setzt jeden Betrachter ins Bild hinein. Der aufgeknöpfte, zur Leinwand umfunktionierte Kaffeesack steht für den symbolischen Kapitalismus, der aus Resourcen, Marken und Statussysmbole macht. An dem Kaffeesack, den ich in einem Künstlerbedarfgeschäft erstanden habe, sieht man, dass es auch zu einer Umkehrung der Statussymbole kommt. Man kann sich den Kaffeesack als Sack, den spiegelnden Fleck als Fleck ansehen. Gleichzeitig aber sickert durch den Subtext des Materials ein Ungehagen in den Kontemplationsversuch.

Installation

Die Ebene der Installation wird durch die Proportion und Gegenüberstellung der Objekte gebildet. Alle Arbeiten sollen von ihrer Dimension im Verhältnis zum Körper ausfallen. Sandras Beitrag ist als großes Werbeplakat denkbar, das im Außenraum platziert wird, wobei das Layout ihre Körpermaße aufgreift. Der Träger, das Papier kann beliebig groß sein. Falls diese Arbeit auf den Ausstellungsflyer kommen sollte, dann bliebe der Text in der ursprünglichen Proportion zu ihren Körpermaßen. Die Verkleinerung des Trägers würde somit nur einen Ausschnitt des Textes zeigen. Die Blumenvase von André, eher ein Pflanzkübel soll einen Menschen fassen können und auf dem Boden im Raum stehen. Die freistehende Stellwand mit einer kleinen Kollage von Michel soll seinen Körpermaßen entsprechen, undzwar der Länge und breite seiner ausgestreckten Arme. Meine Arbeit soll meiner Schulterbreite und Körpergröße entsprechen. Der schwarze Fleck soll auf meiner Augenhöhe sitzen. Der Bildträger soll als Tableau an der Raumwand hängen.

Goekhan Erdogan

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