Unconversation

06_Radien

Unconversation

Der Titel Unconversation der Zwei-Personen-Ausstellung mit Magnus Fliesberg und Goekhan Erdogan ist ein Neologismus. Er plädiert für die Abschaffung der Konvention, sich des Redens Willen zu Treffen. Ein Philosoph sagte einmal, man begegne weder Personen noch sich selbst, sondern am ehesten Werken. Dem folgend gäbe es eine unsägliche Mensch-Objektbeziehung. Dies scheint plausibel, da man sich bei Objekten darauf einlässt, dass sich einem etwas entzieht. Andererseits ermöglichen eher künstliche Formen, darunter auch Ausstellungen, dass man darüber schreiben kann, wofür man sich entschieden hat.

Die Veranstalter, das Team der Eulengasse Vládmir Combre de Sena und Harald Etzemüller, lassen zwei Positionen programmatisch zusammentreffen: Die Werke organisieren sich nicht gegenseitig in eine Hierarchie, sie stören sich nicht und wenn man will reden sie nicht miteinander. Ferner haben sie keine Gemeinsamkeit in der Herstellung oder eine nähere visuelle Ähnlichkeit. Um nur einige Unterschiede zu nennen, sind Fliesbergs Arbeiten eher landschaftlich, abstrakt, gestisch, gemalt, gezeichnet und collagiert. Wogegen Erdogan figurativ, formalistisch, reprotechnisch mit Fotoskulptur arbeitet. Ersteres kann als annähernd offen und locker charakterisiert werden und letzteres als tendenziell reduziert und streng.

Was beide wiederum verbindet, ist das sie keinen expliziten Inhalt oder eine Erzählung ausserhalb der Darstellung verhandeln. Sie dekonstruieren gewöhnliche Materialien von denen wir nicht annehmen müssen, dass sie einen besonderen Text oder Bedeutung haben. Fliesberg etwa zeigt seine Sicht auf Gegenstände, Innenräume oder Worte, die er vermutlich in seinem Alltag vorfindet. Erdogan benutzt sein Abbild, um mit etwas Erhältlichem anzufangen. Auf einer anderen Ebene werden die Aktionen der Künstler dadurch erst autonom, weil sie das Post Moderne dispositiv nicht originäres schaffen zu können als Durchgang oder Anschluss begrüßen. Sie nutzen Prozess, Material und Form als Vehikel mit der Absicht ihre Sujets immer von neuem zu desorganisieren und Bildinventar zu produzieren. Der Betrachter ist bei dieser Schau weniger mit einer extensiven Metakritik, sondern eher mit Kunst als einer sinnlichen transversalen Kulturtechnik konfrontiert.

Goekhan Erdogan

Der Verfasser lehnt die subjektive Perspektive eines Künstlerstatements ab. Es erscheint ihm sinngemäßer, eine fiktive Rezension zur Ausstellung zu anzufertigen, um dem Thema zu entsprechen.

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