Meet Albert Mertz

Entwurf eines Kommentars zu Albert Mertz, “Meet Albert Mertz” einem Post aus Contemporary Art Daily vom August 2015. Die Ausstellung Albert Mertz’s ist mit „Meet Albert Mertz“ betitelt. Posthum entsteht ein Selbstportraet, das die Verbindung zu Albert Mertz alleine durch den Titel der Ausstellung und dessen Autorschaft unterhaelt. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob Mertz dieses Selbstbildnis als solches selbst gewollt haette oder ob es so bereits existiert hatte. Die formale Leistung dieses von mir angenommen Selbsportraets liegt darin, dass ueber ein binaeres Schema und Permutationen von figurativen Bildnissen eine raumgreifende hierarchielose Bildinstallation erzeugt wird. Letzteres geschieht vermutlich fuer die einen blutleer fuer die anderen ironisch, aber dazu speater.

Wie genau alle Konstruktionslinien verlaufen und wie sich lose Enden wieder treffen ist muessig. Es lohnt sich jedoch, einen Blick darauf zu werfen. Man sieht einzelne reduzierte Gesichter. Einmal als Einzelwerk und sowohl als Umgebung zu den jewiligen anderen. Jenachdem wie der Betrachtungswinkel gewaehlt wird. Man schreitet etwa wortwoertlich auf dem groessten Einzelwerk. Die zu letzterem „Umgebenden“ sind als klassische vielleicht bewusst kommerziell kleinen Werke voneinander durch die farbliche Umkehrung unterschieden. Das Centerpiece, das genau neben der Mitte gehaengt ist, hat keinen Bilduntergrund und geht daher wiederum mit dem Traeger, also der Galeriewand eine Beziehung ein. Es entsteht eine erneute Klammer, die den hier den institutionellen Kontext des Werkes, das Gezeigtwerden in einem dafuer bestimmten Raum unterstreicht. Das Centerpiece enthaelt durch die Farbgebung, Lage und formale Einbindung Elemente aller anderen Werke und erzeugt das Gesamtbild mit. Man kann hier von einer Installation reden in der es zwar nicht unmoeglich waere nur ein Werk herauszunehmen oder vice-versa, aber es wuerde die Begegnung auf eine vis-à-vis Situation verkuerzen, die von Mertz und den Ausstellunsgmachern nicht gewollt sein kann.

Betrachtet man dennoch das Einzelne und sofern man die Seele als pathosgeladene Kraft eines Bildnisses sucht, wie bei einem bedeutenden Pressefoto, ist man hier enttauescht. Vielleicht wird erst dadurch die Tragweite dieser Bildkonstruktion moeglich: die Ordnung eines hierarchielosen Bildraumes, Bildsubjekts und implizit eines gesellschaftlichen Subjekts. Wie ist der kuenstler unabhaengig und wie koennen alle moeglichen Kuenste unabhaengig sein? Wie kann Kunst im rauemlich gesellschaftlichen Sinn aus iher eigenen Machart heraus anschlussfaehig werden, wie etwa die konkrete Poesie, die ja nicht mehr an eine nationale Sprache gebunden war, um global zu existieren. Durch Mertz wurde somit eine Konstruktion des Selbst geliefert, die zwar kein punktuelles Schicksal offenbart, aber einen Aufenthalt in einer durchgangsartigen Konstruktion entwirft.

Das eine schliesst das andere nicht aus, aber zeigt meines Erachtens den Beitrag nach einer absoluten Unabhaengigkeit im Hier und Jetzt, wie es dem Pressetext der Galerie sinngemaess zu entnehmen ist. Das profane Hier und Jetzt aller Subjekte steht hier radikal dem ewigen Einzelner gegenueber. Die Ironie dieser Freiheit liegt darin, dass einerseits die Grenzen des Genres, bemueht werden, die Begegnung und Verbindung mit dem Sich, dem Subjekt Albert Mertz sich nicht mehr punktuell ueber ein Unikat, ein Meisterwerk einstellen lassen, wie beispielsw. einem abbildlichen Kopfportraet. Der Titel besagt vielleicht daher bewusst begegne, aber nicht das ist Albert Mertz.

Goekhan Erdogan

(Der Text wird noch revidiert.)

 

via Contemporary Art Daily

 

 

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