Ich weiss was Battlerap ist, aber …

Echoverleihung Kollegah und Farid Bang

Die Debatte um die Echoverleihung hat mein Interesse angezogen, da ich mich aus einem Frankfurter Arbeiterbezirk kommend, als Sohn türkischer Einwanderer als jemand verstehe, der diese „Künstler“ irgendwie nachvollziehen muss.

Dagegen verärgert mich die Form der moralisierenden Debatte, die kaum Einblick in die soziale Sphäre der Musiker oder deren Klientel gewährt (oder irgendwie etwas wie ethische Gebote postuliert). Haben diese ihr Recht darauf verwirkt? Wäre das so als würde man sich um Täter sprachlicher Gewalt bemühen, aber Opfer etwaiger Gewalt ausblenden?

Alle wissen über die Greueltaten, die den Juden widerfahren sind und sie sind als Überlieferung ein historischer Schatz. Die Geschichte von irgendwelchen Türkenkindern und Konsorten hingegen funktioniert in den Medien nur als Straftat oder eben als Quotenheinis für Wohlwollende (selber schuld?). Genanntes steht auf keiner gemeinsamen Ebene, aber ein Aufmerksamkeitsgewinn ist vollkommen amoralisch, wertfrei. 5000 Likes sind genauso eine einschneidende Lebenserfahrung und etwas selbstredendes, wie eine Echoverleihung.

Eine ehrliche Kritik der Protagonisten, die sagt mit dem Leid anderer sollte man kein Geld verdienen, wird nicht mal ausgesprochen, da es zynisch klingen würde. Man verkürzt daher gerne auf moralische Stempel und Gesten. Die bedienten Kritikformen sind nur ein Gesicht, dahinter sind die wissenden Hüter der Ordnung ganz gut situiert. Unsere Nachwuchsfaschisten blinzeln das weg und freuen sich von Herzen, das sie ihren weg gehen können und viele von ihnen was wollen.

Es geht nicht mehr um Inhalte, nicht mehr darum wie etwas gemacht ist und eben zu jener Aussage kommt, dass dies mit einer gewissen Ethik verbunden ist, sondern um nur die Macht als Sieger dazustehen.

Die Konsumenten/Produzenten dieser Musik kann man nur nachvollziehen, wenn man Leuten aus der Strassenkultur begegnet ist. Dieses mythenumwobene spassige Geschwafel einerseits oder die kritischen Stimmen, die „inhaltlich“ von keinem besorgten Bürger zu unterscheiden sind. Man hat diesen Menschen Wirkungen als Wirklichkeit aufgetischt und sie haben es konsumiert. Jetzt aber und immer nur an dem einen einzigen Beispiel wird verlangt, dass sie sich jetzt mal am Kopf kratzen und fragen wie Ursachen und Wirkung ihrer eigenen Handlungen Zusammenhängen und wer eigentlich wovon profitiert und ob es nicht eine Art gemeinsame Lösung gäbe, die nicht auf Kosten von irgendeiner Gruppe aufbaut?

Jedenfalls spüre ich nichts davon in den Medien. Ich sehe mich jedenfalls darin bestärkt Faschisten das Feld nicht zu überlassen. Andere Narrative aus „der Ecke“ müssen da sein damit es dem auch vorfindet wem dem interessiert.

Nachtrag: Eigentlich sollte man den Jungs vielmehr Beachtung schenken, da sie der Beweis auch für kleinere Leute sind, dass im Neoliberalismus einfach alles gemacht werden darf und man damit weg kommt.

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