to gray hair or no to gray hair

Ich habe einen durch „Men’s studies“ geteilten Videobeitrag gesehen (den Link bleibe ich noch schuldig), indem wie für das Web typisch eine plakativer Vergleich aufgestellt wird. Über Celebrityfotos, salonfähig sowie alarmierend-emotional beklagt eine Frauenstimme den eklatanten Unterschied zwischen grauhaarigen Männern und Frauen, die in ihrer Wahrnehmung bei Frauen zu abwertenden und umgekehrt bei Männern aufwertenden Beurteilungen ihrer „Haarfarbe“ führen würden. Klar. Diese Behauptung ist rein für sich und visuell betrachtet falsch und einfach widerlegbar. Mal angenommen man hat ein Tattoo eines Meisters auf dem Körper. Nach dreissig Jahren wird es sich immer schöner gealtert haben. Das eines Anfängers wiederum nicht. Weshalb ist man geneigt, dies bei Menschen nicht einfach auch so zu sehen?

Sehmuster die zu Rollenbildern führen und umgekehrt, sind künstlich erschaffen, wenn auch gesellschaftlich in Machtverteilungen eingebunden. Hitchcock hat hierzu in Vertigo wiederholt, was in zahlreichen musealen Schauen bereits angelegt war. Man sieht, wie das Verlangen des Protagonisten, eines einfachen Kommissars, die Identität einer Frau bis zu einem Bild (seiner Erinnerung an eine Tote Ehefrau eines Industriellen) auslöscht. Es geht in dieser Art zu Sehen bedingt um das Subjekt, sondern das was dahinter steht. Also wie platonisch durchlässig ist das was wir sehen für das viel Höhere was durch es durchwirkt? Wer leitet das Narrativ zu dem was dahinter steht und wie es zusammengesetzt sein soll und wie nicht? Es geht in dieser Sehweise nicht um das was jemand von sich aus macht und wie sich die Dinge um selbstbestimmte Handlungen aufbauen können und könnten, sondern umgekehrt wie etwas sich zu diesen Bildern hin auflöst.

Die Grauen Haare sind als einfache Dichotomie Mann / Frau (je mit grauen Haaren) schon in einem anderem Machtgefüge oder Narrativ in dem die Frau nur ihr Aussehen beiträgt, der Mann aber die Familie bis über seine Rente hinaus absichert. Anschlüsse und Befugnisse, Durchlässe werden in diesem Gefüge Frauen zugestanden solange dieses Bild, das männliche narrativ aufrecht erhalten werden kann. Man gesteht wohl daher visuell den Frauen nicht zu öffentlich würdevoll zu altern? Ich würde dagegenhalten wollen, dass die Gefüge, die man selbst aufspannt wichtiger sind, als nur das wie es ansichtig wird. Wenn man nur als Bild funktionieren will, kann und muss man sich als ätherisches, durchlässiges und „einschreibbares weisses Tafelgesicht“ (Peter Sloterdijk) fühlen und so tun als wäre man der biologische Preis für jemand anderes. Oder einfach als Zombie. Ich als Selbstportraitist fühle mich schon mal als letzteres. Ersteres vielleicht auch.