Dem Schönen, Hässlichen und Harten.

Es ist berufsübergreifend feststellbar, dass Kunst oder ein jegliches Produkt einem gewissen Habitus folgt, um ertragreich zu sein. Ein Maler- und Lackierer darf zum Beispiel keine Laufnasen in Farbflächen hinterlassen, ein Gebrauchtwagen darf keine Lackschäden haben, eine Jazzsängerin darf talentiert, aber nicht zu edgy klingen, ein Kunstwerk darf … ja was eigentlich? Nicht nicht hübsch sein? Ich gehe über eine Kunstmesse und das Wort hübsch kommt mir meistens aus dem Mund. Es ist alles wohl abgestimmt und sieht irgendwie gut aus, so hübsch und kultiviert eben.

Die Verarbeitung von Kunst, also erstmal was direkt ansichtig ist, darf wie es mir vorkommt wohl keine Dellen und Macken haben. Wie kann das gemeint sein? Das kann ich für mich nur so klären, dass etwas durchwirkt zu sein hat. Alles was da ist,  sollte notwendig da sein. Keine Entscheidung sollte, wie zum Beispiel das Hinterlassen eines Pinselhaares oder ähnliches als Nachlässigkeit empfunden werden. Das Pinselhaar dürfen oder nicht dürfen hat also aus dem Prozess herauszuwachsen aber nicht versehentlich zu erfolgen!? In einem Fall würde man sich stören und am anderen wohl nicht!? Oder sind so Haare ein Nogo per se? Mir scheint kein Pinselhaar kann ein gutes Gemälde entstellen, aber kann zu dummen Dialogen führen.

Ich kann nun in meiner Lebenspraxis feststellen, dass überwiegend Werke neuwertig und robust zu sein haben, dass sie den Gebrauchs- und Handelsqualitäten von Mobiliar oder irgendeinem anderen Inventar näher kommen sollten, als ich selbst erwartet hatte. Was aber für mich, wie erwähnt, augenscheinlich ist, dass Kunst überwiegend „hübsch“ wirkt. Die so geformten, gut gewirkten, vielleicht glänzenden Flächen und Materialien werden legohaft anziehend, dass man das um sich haben will. Was aber bei Menschen als Kompliment wirkt, ist meiner Meinung nach keines bei Kunst. „Kunst muss schön oder hässlich sein“, sagte mein Professor. Hübsch ist so was wie nett, ein kultivierter Habitus, welcher ebenso an Kunst gut aussehen würde wie an Straftätern.

Die Frage ist also wie so ein Habitus eigentlich mit irgendwas zusammenhängt ausser dem Bedürfnis keine Kundschaft abzuschrecken? Diese Entscheidung ist vom Werk her zu betreiben. Daher folgt für mich, was mein Prof. Adam Jankowski noch gesagt hat: „Kunst muss hart sein“. Also nicht, sich nicht nur keine Blöße geben und alle Pinselhaare vermeiden, sondern über ein vorstellbar menschliches Maß an Aufwand übersteigen. Der Weltraum ist nicht nett und auch nicht hübsch. Aber Kunst schon? Das klingt anmaßend, aber stellen sie sich vor sie treffen existentielle Entscheidungen und müssen mit Menschen, die keine treffen müssen über Pinselhaare im anbetracht irgendeines Meisterwerks sprechen. Ja Härte stimmt. Schön oder Hässlich stimmen auch. Hübsch ist ok, aber bei weitem nicht alles, lassen sie sich nicht reine Gesten und professionelle Glätte blenden, sofern sie etwas besonderes suchen. Hinterfragen sie, ob die Stuktur und die Intension eines Werkes schlüssig sind bevor einem Pinselhaare zu Kopf steigen.

Bildquellen: New Now

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