Kontext

Hier etwas Textarbeit die ein Projekt begleiten soll

 „[…] Die Aufgabe der müßigen [herrschenden] Klasse in der gesellschaftlichen Entwicklung besteht darin, die nach vorn drängende Bewegung zu verzögern und das veraltete zu bewahren.“ 

b „[… Es]  wird von ihr [der Frau eines Herrschenden] verlangt, dass sie stellvertretend für ihren Gatten oder einen anderen natürlichen Wächter möglichst viel und möglichst demonstrativ konsumiere.“ (Frau hier als Beispiel für ein dreigliedriges Verhältnis von Herrscher, Macht und delegiertem Objekt)

 „Kunst stellt […] einen Versuch dar, von der Gesellschaft erzwungene Lernprozesse zu verzögern“

 „Appropriation ist vielleicht die erfolgreichste der Strategien, dank deren sich die Moderne mit ihrem Credo der Autonomie und der Selbstreferentialität Weltbezug gesichert hat.

Zitate: Rainer Metzger, Kunst im Licht von Konkurrenz, Neid, Rivalität

 

Mit der obigen Lektüre eines Textes habe ich meine Auffassung in Frage gestellt, dass Post Moderne Kunst per se etwas wie Freiraum anbieten kann. Wenn sie es dennoch tut, dann wohl mit dem Einfluß der oben genannten Machtkonstellation. Die Bewahrung von Macht, wird durch demonstrativen Müssiggang und Konsum an dritte delegiert. Hierin kann wie im Zitat eine zum Objekt degradierte Frau oder auch Kunstobjekte herhalten.

Müßiggang funktioniert jeher als eine Art Macht und Einfluss überlagerndes, aber gleichzeitig machtetablierendes Werkzeug. Diesen Mechanismus der Herrschenden kann man heute in der Medienlandschaft leicht nachempfinden. Man denke an all die Personen auf Facebook und dergleichen, die sich selbstverständlich die Welt zu ihrer persönlichen Stellungnahme aneignen. Dabei ist Facebook vielleicht das schlechteste Beispiel für ein deutliches Beispiel von Macht. FB belegt zumindest wie fein ziseliert Macht auf jeden in Form von Müssiggang übertragen wurde und wie sie darin gedenken aufzuleuchten.

Ein Selfie ist ein perfektes Beispiel, da es nur betreffende Mechanismen abruft: Eine kontextbefreite (triadische) Zeigerfunktion für das bietet, das gleichzeitig dem neiderfüllten Blick entzogen wird. Klar man kriegt schon mal ein nettes Sixpack zu sehen, aber dahinter steht eher das erfolgreiche Lebensführung. Man weiss die Person, die so auftritt, hat etwas besonderes erreicht und verkürzt es auf die Visage (oder Körper) … häufig verortet im Badezimmer, als wollte man sagen: „Ich kann heute in den Spiegel schauen“. „Ich bin nicht gesichtslos“. „Ich habe gesiegt.“

Die Kunst, und explizit das handelnde Individuum bezieht seine Daseinsberechtigung aus der Macht (retardierend in der Moderne oder „räumlich, temporär befreiend“ in der Post Moderne), indem sie sich bspw Dinge aneignet, die nicht zu ihr selbst gehören und diese obigen Bedürfnisse delegieren. Beim unbedarften User, sowie bei Formenmachern sollte die Rechtmässigkeit in Frage gestellt werden: Ddürfen User Bilder von bedrohten Tierarten oder Flüchtlingen posten? Erlauben sich Künstler einen zynisches Spiel zu deren Gunsten und auf Kosten anderer?

Die von Rechts als die Gutmenschen beklagten, sehe ich in den sozialen Medien, als diejenigen Aktöre, die sich Leid anderer Aneignen, um ihren Status zu betonen, aber ohne eine andere Arbeit zu leisten, als diesen Status zu verkörpern und sich zu bereichern. Sie bezahlen auch keinen anderen Preis, als vielleicht den des Affektes oder der persönlich empfundenen und publik multiplizierten Betroffenheit. Die Neuen Rechten wollen da aus eigenen Motiven zuschlagen und haben ihren Begriff gefunden.

Die Konstruktion der (Selbst-)Bilder, unseres Blickes ist eine Setzung der Macht. Man schaut auf die Boote mit Flüchtlingen von oben und vom Strand her und in ihre Gesichter in Massen. Ein Boot von weitem zu zeigen auf offener See würde dagegen schon fast heretisch romantisch wirken, weil wir uns selbst dahinein denken könnten. Wieso eignet man sich geläufig diese Pressebilder an und teilt sie, bindet sie ein in Kunst?

Die Technologie hat es möglich gemacht und erzeugt Gesten. Die Berichterstattung hat selbst eine kultivierte neutrale Haltung (Sie wirkt als gäbe es keinen Autor, als seien die Dinge wirklich so, aber können natürlich nur besagte Ausschnitte und bestimmte Konventionen bedienen, um markfähig zu sein.) Der multiplizierende User kann sich auch jederzeit aus der Sache rausziehen. Seine Moral projiziert sich auf einen Ort der sich allen entzieht. Die Flüchtlinge sind also die Frau des Herrschenden aus dem obigen Zitat und belegen unsere Machtstellung. Auch wenn wir appellieren, dass wir verantwortlich wären oder was tun müssten. Das Ergebnis ist in der Aufmerksamkeits- Machtökonomie dasselbe. Selbst gutmenschelnd wird die Sache produktiv in dieser Funktion Macht zu erzeugen, da sie das machtlose der Flüchtlinge und unser zu privilegierten Zuschauer verdammtes Dasein entrückt und zu einem Konsumobjekt macht.

Kunstschaffende zumindest die sich der Welt aneignen, sollten ihre subjektive Anteilnahme belegen oder zeigen wie sie sich ihr entziehen. Meine kann nicht der Situation der Flüchtlinge für die ich nicht aufkommen kann gelten. Sie gilt dem westlichen Bild der Flüchtlinge und deren Funktion, die ich und wir alle teilen. Wäre den Flüchtlingen damit auch geholfen, wäre ich selbst zufriedener. Jedoch erscheint es mir aufrichtiger und möglicher die Selbstkritik und etwaige Selbsterkenntnis als einen möglichen Schritt in die richtige Richtung zu sehen.

Die besungene begriffliche und bildwirksame Auflösung, Demaskierung, Décollage westlicher Macht hat die Appropriation, die Aneignung von Welt als Grundlage. Die Welt ist zum Inventar der Kunst geworden. Die Technik, wie auch Formen wie die der Installation versuchen sie zumindest, die Dinge umzustellen, zu verteilen und zu entrücken … sie dem Menschen näher, gefügiger zu machen.

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